Berufseinstieg im Ausland und dann gleich die Beförderung?

2015 hat sich für mich karrieretechnisch einiges verändert. Ich habe meinen ersten Job, den ich direkt nach meinem Studium ergattert hatte, schon nach 9 Monaten gekündigt, um nach Kanada zu gehen. Seitdem arbeite ich schon seit knapp zwei Jahren im Land des Ahornsirups.

In diesen zwei Jahren habe ich bereits einmal den Job gewechselt, und bin von einer Digitalagentur zu einer Werbeagentur gewechselt. In der Werbeagentur wurde ich dann innerhalb von acht Monaten befördert, vom Account Coordinator zum Account Executive.

Eins vorweg: Der Arbeitsmarkt in Nordamerika ist anders als in Deutschland. Die Nordamerikaner leben ganz nach der „Hire and Fire Culture“. Sprich, die Fluktuation ist viel höher als in Deutschland, und die Menschen wechseln häufiger ihre Jobs. In Deutschland feiern Arbeitnehmer 25 Jahre Unternehmenszugehörigkeit (auch wenn sich das auch hier so langsam ändert). Ein ganz anderes Bild findest du in Kanada. Da ist es normal, dass man nahezu jedes Jahr den Job wechselt, oder Mitarbeiter feuert, wenn sie nicht mehr in die „strategische Richtung des Unternehmens passen.“

Das klingt zunächst hart, aber auf der anderen Seite aber fördern Unternehmen auch gute Mitarbeiter schneller. Du kannst die Karriereleiter erklimmen, ohne erst fünf Jahre lang auf der Stelle treten zu müssen. So war es in meinem Fall. Wenn es auch schnell ging, ist es nicht einfach so passiert, sondern mit Hilfe von viel Mühe und Arbeit – und vor allem mit Strategie.

Nicht für jeden ist die Karriereleiter interessant. Aber für den Fall dass sie dich reizt, habe ich in diesem Artikel einige Dinge aufgelistet, die dir helfen können, wenn du im Ausland aufsteigen möchtest.

1. Stelle die Frage

Das ist einer der schwierigeren Dinge, die du in Angriff nehmen musst.

Neulich erst hatte ich diese Diskussion mit meinem Freund. Er arbeitet auch in Toronto für eine Konzeptagentur mit dem Schwerpunkt Eventmarketing. Er sagt, er würde nie nach einer Beförderung fragen. Ich hingegen sage: Oh doch! Wie soll dein Arbeitgeber sonst wissen, dass du es dir zutraust und Ambitionen hegst?

Ich meine, du musst ja nicht sagen, „ich bin total awesome, wann kriege ich die Beförderung?“ – sondern es smart angehen.

2. Die richtige Strategie

Es ist alles eine Sache der Verpackung. Warum sagst du nicht eher: Was kann ich tun, damit ich in meinem Job wachsen und mich besser ins Unternehmen einbringen kann? Ich würde gerne mehr Verantwortung übernehmen. Ich bin ehrgeizig, und möchte mein volles Potenzial entfalten.

Ich finde Offenheit dabei ganz wichtig. Wenn du im persönlichen Gespräch mit deinem Vorgesetzten bist, kannst du entsprechend klar kommunizieren, was du von deinem Job möchtest und zeigen, dass du zielstrebig bist. Damit zeigst du Selbstbewusstsein und machst deine Ambitionen deutlich. Falls du Sorge hast zu übereifrig zu wirken, könntest du beispielsweise auch sagen, dass du dich bereit fühlst für mehr, dir aber auch darüber im Klaren bist, dass das Timing stimmen muss, und du bis dahin weiterhin dein Potenzial auszuschöpfen und wachsen möchtest. So bringst du dich zumindest schon mal auf den Radar deines Arbeitgebers.

Ganz wichtig ist einfach, dass du ins erste Gespräch kommst und deinem Vorgesetzten zeigst, dass du da bist, dass du bereit bist. Um das Ganze erst mal in Bewegung zu setzen ist direkte Kommunikation am hilfreichsten.

3. Zeig was du kannst

Sobald du die Sache ins Rollen gebracht hast, musst du natürlich auch zeigen, dass du Potenzial hast. Setze dich nicht zu sehr unter Druck, aber stelle dich erstmal darauf ein, dass du jetzt, wo du dich sichtbar gemacht hast, eben auch sichtbarer bist. Sieh dies als Chance, dich zu beweisen. Es lohnt sich, wenn du einen kühlen Kopf bewahrst.

Sag dir selbst, dass du es verdienst und dass du gut genug bist. Mach dir das wirklich bewusst, denn es ist die Wahrheit. Besonders wir Frauen tendieren manchmal dazu, uns selbst zu unterschätzen und zu sagen, dass wir es vielleicht doch nicht verdienen. Wir verkaufen uns dann auch gerne mal unter Wert – besonders bei Gehaltsverhandlungen, aber das ist ein anderes Thema.

Also bleibe immer schön entspannt und selbstbewusst.

4. Arbeite smart und strategisch

Bringe dich ein wo du kannst, und wenn du Kapazität hast, frage nach mehr Projekten. Mach dir dafür erst mal eine Liste zurecht mit den Projekten, die du derzeit unterstützt oder leitest. Gib jedem Projekt eine ungefähre prozentuale Zeitbestimmung, damit du weißt wie viel Zeit du täglich mit welchen Projekten verbringst. Sei dabei ganz ehrlich zu dir selbst und frage nur nach mehr, wenn es deine Arbeitsbelastung zulässt.

Arbeite nicht härter oder mehr, sondern intelligenter. Nur weil jemand viele Überstunden macht, heißt das noch lange nicht, dass diese Person auch den größten Mehrwert liefert. Gerade in Nordamerika spielen „billable“ versus „non-billable Hours“ eine große Rolle – das heißt die Arbeitszeit, die du für Projekte aufwendest, die Geld reinbringen, im Vergleich zu administrativem Zeugs und unnötigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, wie man sie so schön nennt.

Überprüfe kritisch, ob du dich manchmal mit Dingen aufhältst, die dir zwar Zeit und Energie rauben, dich aber effektiv nicht weiterbringen. Ich weiß, das ist eine Kunst für sich, aber es lohnt sich. Denn weniger Frust und mehr Zufriedenheit bringt letztlich nicht nur deinem Unternehmen etwas, sondern vor allem auch dir selbst.

5. Bestimme eine Timeline

Überlege dir, was eine angemessene Zeitspanne ist, zwischen dem Moment, wo du das erste mal dein Interesse an einer Beförderung kundtust, und dem Karriereschritt selbst. Aus meiner persönlichen Erfahrung glaube ich, dass man sich mindestens auf 6 Monate Wartezeit einstellen muss, aber selbstverständlich variiert das je nach Land, Branche, Arbeitgeber – und allerhand Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben.

Frage andere um ihre Einschätzung und ihre Erfahrungswerte. Wie lange hat es bei ihnen gedauert, wie sind sie vorgegangen? Das kann dir hilfreiche Anhaltspunkte geben.

Natürlich brauchst du dich nicht zu sehr auf diese „Timeline“ versteifen. Aber es hilft dir, den Fokus zu bewahren, und eventuell auch zu erkennen, wann es Zeit für eine anders geartete berufliche Veränderung ist. Frustration, weil sich über mehrere Jahre trotz leerer Versprechungen nichts verändert, tut niemandem gut.

6. Sei geduldig und reflektiere

Ganz wichtig: sei geduldig und reflektiere.

Nimm konstruktives Feedback an und sei selbstkritisch, ohne zu kritisch zu dir selbst zu sein. Es ist alles eine Sache der Balance. Bitte deinen Arbeitgeber um Feedback zu deiner Arbeit. Dazu zählt übrigens nicht nur deine Kompetenz und Effektivität, sondern auch deine emotionale Intelligenz, deine Zusammenarbeit mit Kunden und im Team mit Kollegen.

Frage deinen Vorgesetzten nach den Kompetenzen, die ihrer oder seiner Meinung nach für eine Beförderung relevant sind, und wo dabei deine Stärken und Schwächen liegen. Arbeite an deinen Schwächen, aber fokussiere dich in erster Linie auf deine Stärken, sie sind dein Ass im Ärmel – nicht jeder muss alles gut können.

7. Genieß den Weg

Der wohl wichtigste Punkt: Vergiss nicht, unterwegs Spaß zu haben und nicht zu streng mit dir zu sein.

Es gibt mehr im Leben als Arbeit, mach dir das immer wieder bewusst. Beute dich nicht selbst aus, und erlaube auch keinem Arbeitgeber, dich auszubeuten. Wenn du auf dem Weg zur Beförderung bereits einen halben Burnout erleidest, solltest du dich ernsthaft fragen, ob du diese Beförderung überhaupt willst.

Und letztlich: Bleib entspannt. Es kommt alles so wie es kommen muss.

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