7 Gründe, warum auch beschissene Nebenjobs gut sind

Oder wie es ein Freund von mir mal treffend formulierte:

Man muss Scheiße fressen, bevor man Sahne serviert bekommt.

Blöd, dass ich keine reichen Eltern hab. Blöd, dass meine Mutter nie der Meinung war, dass eine Zwölfjährige ein üppiges Taschengeld braucht. Blöd, dass ich nie ein Studienstipendium bekommen hab. Ich musste selber an Geld kommen, und irgendwann, beim Zeitungen austragen mit zwölf traf es mich: arbeiten ist ja irgendwie voll anstrengend!
Jedoch fand ich es schon damals super, mir meine Sneakers selber kaufen zu können. Und heute merke ich immer wieder wie gut es doch ist, das alles nicht erst mit 25 im ersten Job zu merken.

Hier meine persönliche Top 7 warum (manchmal auch beschissene) Nebenjobs gut sind:

1. Du wirst selbstständiger

Egal ob Zeitungen austragen, kellnern oder Nachhilfe geben. Du weißt wo dein Geld herkommt und entscheidest was du damit machst. Ich will jetzt hier nicht wie Destiny’s Child klingen (Mist, den Ohrwurm kriege ich so schnell nicht wieder weg), aber es tut doch gut, seine eigenen paar Euro zu verdienen, und letzten Endes ist man damit sparsamer als mit Papis Taschengeld, oder?

2. Du hast mehr Motivation, dich weiterzuentwickeln

Kellnern: Jeder festgeklebte Kaugummi im Aschenbecher und jeder beleidigende Gast war ein Ansporn, mich bei Schule und Studium anzustrengen. Außerdem: jedes Wochenende arbeiten, während die Freunde am See rumliegen? Muss auch nicht für immer sein, also ran an die Bücher.

3. Du lernst viele Dinge, die vielleicht erst auf den zweiten Blick hilfreich sind

Zum Beispiel habe ich (wenn auch auf die schmerzhafte Tour) gelernt, dass Zeitungen austragen auf Inlineskates keine so gute Idee ist…
Als selbstdiagnostizierte Zahlen-Legasthenikerin hat mir das viele Kopfrechnen beim Kellnern wirklich gut getan. Übung macht ja bekanntlich den Meister.
Nach dem Abi habe ich anderthalb Jahre als Lehrassistentin an einer englischen Gesamtschule gearbeitet. Hier habe ich z.B. gelernt vor vielen Menschen zu sprechen, selbst wenn ich mal nervös bin. Das hat mir später im Studium einige Einsen für Referate eingebracht – muahahaha.

4. Du erkennst, was du NICHT machen willst.

Hier musst du ganz klar nach dem Ausschlussverfahren vorgehen.

Das heißt für mich: keine Gastronomie (zumindest nicht dauerhaft), keine Buchhaltung und kein Lehramt. Ich kann euch sagen, Lehrersein, auch wenn es Spaß macht, ist kein Zuckerschlecken! An dieser Stelle möchte ich allen, die sich unserer zukünftigen Rotzbengel annehmen, meinen tiefsten Respekt aussprechen.

5. Du findest heraus, was du gut kannst

Das ist bei mir: komplizierte Dinge einfach erklären. Das hilft mir heute eigentlich am meisten bei meiner Arbeit beim Forschungszentrum.
Wusstet ihr, dass man englischen Schülern die deutsche Grammatik nahezu komplett in Snacks und Essens-Sachen erklären kann? Das Partizip Perfekt ist nämlich in Wahrheit ein Cheeseburger, liebe Kinder.
„Ich habe“ ist die untere Brötchenhälfte und „gespielt“ die obere, sozusagen der Deckel. Dazwischen legt ihr alle Zutaten, nach denen es euch beliebt: Fleisch, Käse, Mayo, Gurkenscheibchen, also: „mit meinem Bruder“, „im Park“, „Fußball“. Und wo gehören diese Zutaten hin? In die Mitte natürlich, zwischen die beiden Brötchenhälften:
„ich habe“ „mit meinem Bruder“ „im Park“ „Fußball“ „gespielt“. Ganz einfach, oder?
Deutsch macht Hunger Spaß.
Dieses Schema hat sich auch so fortgeführt, als ich meinen Uni-Freundinnen in langen Nachtschichten anhand von Schuhen und Handtaschen BWL erklärt habe. Meine Freundin hat sogar eine 1 bekommen, ich war noch nie so stolz!

Was ich hier über mich selbst gelernt habe, hat meinen Werdegang total geprägt!

6. Soziale Kompetenz

…das absolute Buzz-Word einer jeden Bewerbung – neben der glorreichen und famosen Interkulturellen Kompetenz. Wenn man viel mit Menschen zusammenarbeitet, lernt man, sie besser zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen. Als Freiwillige Hausaufgabenbetreuerin im sozialen Brennpunkt meiner Uni-Stadt habe ich außerdem die unglaubliche Fähigkeit entwickelt den Kindern etwas zum siebenundachtzigsten Mal zu erklären, ohne ranzige Laune zu bekommen. Geduld ist doch mal eine Leistung an sich, finde ich. Auch das hilft mir heute im Job weiter.

7. Die wohl wichtigste Lektion:

Glaube nicht jedem, der dir weismachen will, du seist dumm!

Meine letzte Chefin hat mich eigentlich permanent angeschrien. „Du wirst mit jedem Tag dümmer!“ oder: „Du! bist! tot! Du überlebst nicht bis Weihnachten, ich bringe dich mit meinen eigenen Händen um!“ lagen an der Tagesordnung. Da Letzteres die Schelle für einen Fehler war, den ich gar nicht gemacht habe, habe ich schnell gelernt zwischen echter, konstruktiver Kritik und reiner Schikane zu unterscheiden.

Aber trotzdem: jeder schlechte, langweilige oder stressige Job war gut für mich. Ich fühle mich danach stärker als vorher. Ich lasse mich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und bin optimistischer.

Was bedeutet das für deine Bewerbung?

Falls du dich gerade bewirbst: Welche Kompetenzen werden in der Stellenanzeige gefordert? Kannst du irgendwelche deiner Nebenjobs, Praktika oder Erfahrungen so rüberbringen, verpacken, verkaufen, dass es passt? Storytelling ist hier das Zauberwort. Wühl ein bisschen, ich bin sicher du findest eine gute Geschichte hinter jedem Job.

Was hattest du für beschissene Nebenjobs?

Gab es Morddrohungen? Musste der Tatort anrücken? Erzähl!

 

Bild: m0851

7 Kommentare zu
“7 Gründe, warum auch beschissene Nebenjobs gut sind”
  • Diese Erfahrungen musste ich leider nicht nur in Nebenjobs sondern auch bei „richtigen“ Anstellungen nach dem Studium machen… aber so im Nachhinein muss ich wirklich sagen, dass es auch mich stärker gemacht hat, wenn es auch ein steiniger Weg ist/war! LG Kathrin 🙂

  • Hallo liebe Christina,

    zuerst einmal: ein ganz dickes Kompliment. Für deinen Blog! Ich bin hier eben (über Edition F) so rein gestolpert und lese mich jetzt so durch. (Obwohl ich eigentlich ein Thema für meine Bachelorarbeit suchen wollte. Urherberrecht – any ideas? 😉 😀 ) Ich finde es super, dass du deine Erfahrungen so ehrlich mit uns teilst. Für „Da mussten wir alle durch“ oder „Meinen Job habe ich ganz easy durch Vitamin B bekommen“ muss man sich ja nicht die Mühe machen, einen Blog zu führen. Also: DANKE erstmal.

    Zum Thema Nebenjobs: Die habe ich, seit ich 12 oder so bin. Nachbarkinder aufpassen, verschiedene Zeitungen austragen, beim Supermarkt an der Kasse sitzen, putzen gehen, Nachhilfe geben, Empfangssekretärin sein, kellnern, für ein Modehaus im CRM arbeiten. Es gibt gefühlt NICHTS was ich nicht schon gemacht habe in den letzten 12 Jahren. Und wie du sagst: es macht einen nur stärker. Klar, nach der Uni noch aufbrezeln für das Modehaus und danach direkt die Sneaker an zum kellnern, während deine Kommilitonen ins Kino oder feiern gehen ist nicht immer schön. Aber dafür kann ich alles, was du oben schreibst, unterschreiben. Und: ich habe keine Ausbildung gemacht vor dem Studium – aber durch meine Jobs mindestens genauso viel gelernt. Und das ist mir sehr viel wert!

    Und jetzt entschuldige diesen Roman (ich freue mich aber wirklich, deinen Blog gefunden zu haben!),
    liebe Grüße sendet dir
    Anna-Magdalena

    • Danke danke danke für deine lieben Worte!!! Ich freue mich sehr, dass mein Blog dir gefällt und kann genau nachvollziehen was du schreibst!
      Zum Thema Urheberrecht kenne ich mich leider nicht aus, aber ich fand Brainstormings mit dem Prof immer sehr wegweisend 🙂
      Dir alles Gute und einen schönen Abend!
      Grüße, Christina

Was meinst du? Hinterlass uns einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.