Das Glück ist… ein Eichhörnchen

Immer nur eigener Saft ist auf Dauer nix – deshalb habe ich liebend gerne bei Katos Aktion „Über den Tellerrand“ mitgemacht. Das Prinzip ist einfach: jeder, der über eine virtuelle Präsenz im WWW verfügt und Lust hat, kann hier mitmachen. Ein bis dato Fremder gibt ein Thema vor, man selbst schreibt dann darüber. Das Ganze sollte natürlich außerhalb des sonstigen Themenspektrums liegen. Über den Tellerrand eben.

Jacqueline habe ich für „Über den Tellerrand“ nach ihrem veganen Lieblingsrezept gefragt; ich bin gespannt, was sie sich für uns überlegt hat!

Ich selbst habe mich für diese Aktion auf die (esoterische?) Suche nach dem Glück begeben, denn Katharina wollte von mir wissen: Was ist für dich Glück?

Eine einfache Frage, wie es scheint.

Na ist doch klar, Glück heißt… ehh… nie traurig sein? Immer das bekommen, was man sich wünscht? Sich nie beim Gemüse schnibbeln in den Finger schneiden? Öfter mal 5€ auf der Straße finden? Oder doch eher jede Minute seine Freunde um sich haben?

Je mehr ich über diese Frage nachdachte, um so mehr erschlich mich der Gedanke, dass diese ganze Definiererei doch nicht so einfach ist. Ich kann es nicht universell zusammenfassen. Glück ist eben etwas so unendlich Wandelbares und Subjektives, das es für jeden in jeder Sekunde ein anderes Gesicht hat.

Ist Glück nicht jeden Tag etwas anderes?

Für mich heißt Glück eigentlich nicht, immer glücklich zu sein. Das ginge gar nicht, denn ich bin eine ziemliche Zicke, Nervensäge, Heulsuse und Panik-Queen. Nein, vielmehr zählt für mich die Bilanz des Großen und Ganzen. Am Ende des Tages müssen die glücklichen Momente mir die Kraft geben, um mit auch den schlechten klarzukommen. Denn die kommen. Soviel sei gewiss.

Ganz, ganz früher, da hieß Glück für mich ein Sommer auf dem Spielplatz, wo ich die Schaukel-Weitsprung-Königin war. Glück hieß auch, Sonntag morgens mit meiner Schwester Tom&Jerry zu gucken und Kinder Pinguis zu mampfen, bis die Eltern aufwachen. Und ach ja, die Benjamin Blümchen Geburtstagstorte mit bunten Streuseln: die reinste Glückseligkeit.

Und dann?

Jahre später sah das Glück dann anders aus. Es hieß dann, aus sich hinauszuwachsen. Endlich auf eigenen Beinen zu stehen, zu reisen, an neuen Orten zu leben. Jedes Jahr auf das vorherige zurückzublicken und zu sagen: wow, letztes Jahr war ich noch da ganz hinten, und jetzt bin ich hier! Glück hieß irgendwie auch, sich zu beweisen – mir selbst und anderen. Es brauchte aber auch die vielen tollen Menschen, die ich in mein Herz aufgenommen habe, und die mir jetzt noch so nahe stehen, auch wenn sie eigentlich so fern sind.

Heute hat sich mein Glück wieder gewandelt. Zum Teil dahingehend, dass es nicht unbedingt immer einen weiteren Stempel in meinem Reisepass bedeuten muss (aber gerne kann!), solange das drumherum stimmt. Denn wieder blicke ich auf das letzte Jahr zurück und denke: Wahnsinn, was sich wieder alles verändert hat! Ich treffe Entscheidungen, die mein Leben verändern werden – vor denen ich noch letztes Jahr schreiend davon gelaufen wäre (mit den Armen in der Luft wedelnd, wie in einem schlechten Film). Und denen ich jetzt hibbelig entgegen blicke, weil ich es gar nicht erwarten kann.

Und die Schlechte Tage? Die gehören dazu.

Was ich sagen will ist, dass sich das Glück in seiner Form wandelt, aber nicht in seinem Wesen. Im Prinzip bedeutet Glück ja, zufrieden zu sein, seinen Alltag und seine Entscheidungen zu bejahen. Und auch mal Oh-mein-Gott-tue-ich-auch-ja-das-Richtige?-Panikattacken zu haben – nur um sich danach wieder zu beruhigen und zu erkennen: was ich gerade mache ist voll mein Ding, es macht mich glücklich. Nächstes Jahr ist mein Ding vielleicht wieder etwas anderes, und das ist okay.

Michal Friese - Phases

Michal Friese – Phases

Meine Lieblingskünstlerin schrieb neulich: „Phases come and phases go. The only consistent thing in life seems to be change.“ So ist es. Es kann sich von einer Minute auf die andere ändern, denn Glück ist alles.

Alles gleichzeitig

Es ist zur selben Zeit Unersättlichkeit und Zufriedenheit. Die Veränderung und das Bleiben. Das Fliegen, aber auch das Stillstehen. Nicht immer wegrennen, aber auch nicht stagnieren.

Irgendwie liegt das Glück doch überall und nirgends, es kommt darauf an, ob man es als solches annimmt oder nicht: Wenn man nachmittags das Büro verlässt und abschalten kann. Wenn man zum Bahnhof radelt – und die Sonne im Gesicht und den Wind in den Ohren genießt. Wenn man die Haustür aufschließt und einen der Mensch erwartet, den man jetzt Heimat nennt.

Manchmal kommt das Glück auch, wenn man es am wenigsten erwartet, und schon gar nicht gesucht hat. Denn sucht man zu sehr, läuft es vielleicht weg.

Es ist eben doch nur ein blödes altes Eichhörnchen.

 

 

11 Kommentare zu
“Das Glück ist… ein Eichhörnchen”

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