Entscheidungen treffen für (Berufs)Anfänger

Wenn du im frisch im Job bist, bekommst du erst mal relativ wenig Verantwortung übertragen. Bevor du größere Entscheidungen im Arbeitsalltag triffst, kannst (und musst) du sich mit Chefs, Kollegen, etc. rückkoppeln und dir so einen doppelten Boden schaffen.

Schwierig (oder zumindest mal herausfordernd) wird es, wenn du nach und nach selbst gefragt bist und innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen und hinterher dazu stehen musst! Natürlich kannst du nach einer Weile eine Zwischenbilanz ziehen und gegebenenfalls nachjustieren. Aber generell gilt: du hast nach bestem Wissen und Gewissen entschieden, und das ist jetzt so.

Im Berufseinstieg kann es ganz schön gruselig sein, Entscheidungen zu treffen. Klick um zu Tweeten

Was tun bei Fehlentscheidugen?

Fangen wir mal beim „Worst Case“ an: Was passiert, wenn sich herausstellt, dass du eine Fehlentscheidung getroffen hast? Hier heißt es Mut beweisen. Stehe erhobenen Hauptes dazu, dass das jetzt sicherlich nicht ideal war, aber dass du nach dem damaligen Stand der Dinge die scheinbar beste Option gewählt hast. Auch wenn es in dir juckt, verkneife dir das „Och mann, hätte ich bloß“.

Oft kannst du den Spieß sogar umdrehen, dir einen positiven Aspekt der entstandenen Situation heraussuchen und darauf hinweisen: „Das Endergebnis ist zwar nicht das, was wir uns erhofft haben – aber dadurch, dass es jetzt so gelaufen ist, haben wir YXZ erreicht. Zudem haben wir jetzt zumindest mal ein Zwischenergebnis, das wir anpassen und weiterentwickeln können.“

Ich habe für mich gemerkt: selbst eine Entscheidung, die sich hinterher als falsch (oder sagen wir mal suboptimal) herausstellt, ist besser als gar keine! Denn nichts ist schlimmer, als die Schockstarre des Nicht-Entscheidens, das weiß ich aus Erfahrung. Mir selbst fällt es eigentlich schwer, Entscheidungen zu treffen. Die Frage, ob ich weiter im Ausland leben und arbeiten oder zurück nach Deutschland gehen soll, hat mich mindestens mal sechs Monate Kopfzerbrechen samt Lebenskrise gekostet.

Gilt auch für Berufseinsteiger: Selbst eine falsche Entscheidung ist besser als keine. Klick um zu Tweeten

Entscheidungen treffen ist kein Problem, sondern eine Chance

Ist mangelnde Entscheidungsfreudigkeit schon im Privaten nicht besonders gut für das eigene Wohlbefinden, so ist sie im Beruf noch unvorteilhafter. Als Praktikant darf man das noch. Da „läuft man so mit“, arbeitet den anderen zu und entscheidet sehr wenig selbst – selbst wenn man wollte. Und das nervt ja auf Dauer auch! Wenn du weißt, dass du definitiv mehr kannst, dann willst du das auch anwenden und zeigen.

Deshalb suchte ich mir einen Job, bei dem ich das unter Beweis stellen kann. Und deshalb ist auch die Tatsache, dass ich im Arbeitsalltag Entscheidungen treffen muss, für mich etwas sehr Positives. Sehen wir es doch mal so: Ich wurde für ein bestimmtes Aufgabenfeld eingestellt, sprich für meine Expertise in diesem Bereich. Deshalb bin auch ich diejenige, die entscheiden muss, ob es nun A oder B sein soll – und die für das Ergebnis der Entscheidung gerade steht. Und ich möchte es auch gar nicht anders haben. Ich bin dankbar dafür, wie es ist.

Da ich mich aber traditionell etwas schwer mit Entscheidungen tue, habe ich mir eine Taktik zurechtgelegt, die für mich persönlich ganz gut funktioniert:

Mein Entscheidungen-1×1 für Berufseinsteiger

  • Wie lange hast du für diese Entscheidung Zeit? Musst du sofort, bis morgen, bis nächsten Monat entschieden haben?
  • Wie schwerwiegend ist diese Entscheidung und wie viel Zeit kannst du dafür aufwenden? Bei einer von Hundert geht es vielleicht tatsächlich um die Wurst – bei den meisten anderen gilt:
  • Die Tatsache, dass du eine Entscheidung triffst, ist oft wichtiger, als welche. Also ran an den Speck.
  • Wie viel Information hast du zu diesem Zeitpunkt? Genug heißt hier natürlich nicht alle – denn die kannst du niemals haben. Wenn tatsächlich noch Input fehlt, wer kann dir diesen zeitnah geben?
  • Wenn es um Informationen geht, die niemand haben kann, weil sie unvorhersehbar sind: Gibt es Erfahrungsträger im Team von denen du dir eine Einschätzung holen kannst?
  • Prioritäten abschätzen: Was ist bei den Optionen A oder B jeweils das schlimmste, was passieren kann? Du solltest den Kunden, für den du arbeitest, kennen. Hast du ein gutes Gefühl dafür, was ihm oder ihr am wichtigsten und was nebensächlich ist? Gehe kurz die Pros und Contras der einzelnen Optionen durch: womit könnte man zur Not leben und was muss einfach sitzen?
  • Traue dir selbst: wenn du Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten hast, haben es auch die anderen. That’s a fact.
  • Wenn es bei dieser Sache tatsächlich um die Wurst geht, frag deine Vorgesetzten um Rat. Sie werden es zu schätzen wissen, wenn du den Ernst der Lage erkannt hast.

Nun ist mir natürlich klar, dass gerade das so schwierig ist: herauszufinden, ob es sich denn jetzt um eine Kleinigkeit handelt oder extrem wichtig ist – oder etwas dazwischen? Das ist pauschal natürlich nicht zu beantworten.

Die gute Nachricht aber ist: vieles kommt mit deinen eigenen Erfahrungswerten von alleine. Vor allem beim Jobbeginn, wenn gerade diese Erfahrungswerte noch Mangelware sind, solltest du dich so viel wie möglich mit Kollegen und Vorgesetzten austauschen, von ihnen lernen, sie über ältere Projekte befragen. Auch ein regelmäßiger und enger Kontakt mit deinen Kunden ist sehr wünschenswert. Wie sollst du sonst herausfinden, welche Prioritäten ihnen wichtig sind und welches Übel im Zweifel für sie das geringere ist? Gehe mit Kollegen, Kunden und Vorgesetzten Mittagessen, tausche dich mit ihnen zu vergangenen Projekten aus, frage sie, welche Dinge sie gerade umtreiben, vor welchen schwierigen Entscheidungen sie stehen oder standen und vor allem, wie sie damit umgegangen sind. Höre zu. Lerne. Es sind – wie so oft – deine Soft Skills, die dir hier weiterhelfen.

Entscheidungen treffen: Was andere dazu sagen

Wenn du ganz grundsätzliche Probleme damit hast, Entscheidungen zu treffen, hat die Speakerin Bettina Stackelberg wertvolle Tipps für dich.

Medienstudentin Lina erklärt, warum man bei schwierigen Entscheidungen öfter auf sein Bauchgefühl hören sollte.

Auch hier scheiden sich die Geister: während der ehemalige Google-Mitarbeiter Dave Girouard die Schnelligkeit an erster Stelle sieht, betont Lars Vollmer, wie wichtig es ist, sich bei wichtigen Entscheidungen Zeit zu lassen.

Auch die erfolgreiche Unternehmerin Ute Blindert hat sich mit diesem Thema beschäftigt und in dem Aufruf #jetztentscheidedich viele hilfreiche Beiträge und Anleitungen zum Entscheiden gesammelt.

Und was sagst du?

Wie sind deine Erfahrungswerte? Fällt es dir schwer, Entscheidungen zu treffen? Hast du noch irgendwelche Tipps, die dir dabei helfen? Teile sie mit uns in den Kommentaren.

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