„Am wichtigsten im Berufseinstieg? Analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen“

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber mir geht ab und an die Frage im Kopf umher: was macht man eigentlich nach dem Studium so mit BWL? Betriebswirtschaftslehre, das ist so ein bisschen wie Geisteswissenschaften. Wenn man es nicht selbst studiert hat, versteht man nicht so richtig, was man damit alles später beruflich so machen kann. Eben deshalb führen wir beim Chapter One Mag so gerne Interviews mit Berufseinsteigern – um mehr über die Vielfalt der Wege zu erfahren, die man so einschlagen kann.

Fabian Foelsch hat den Weg des Gründens gewählt. Jedenfalls nachdem er erst eine Weile lang bei der Allianz in Indonesien sowie in der Unternehmensberatung gearbeitet hat. Als jahrelanger Leistungssportler hat er ein Interesse an Themen der mentalen Stärke, Leistungsoptimierung und etwas was er Schlaf- und Biohacking nennt. Also co-gründete er das Startup BRAINEFFECT, und vertreibt nun Nahrungsergänzungsmittel, die bei der Steigerung der Konzentration und der mentalen Leistungsfähigkeit helfen sollen.

1. Fabian, was hast du studiert und was machst du heute beruflich?

Ich habe Betriebswirtschaften an einigen verschiedenen Business Schools studiert. Nach ersten beruflichen Erfahrungen bei der Allianz und der Boston Consulting Group habe ich BRAINEFFECT aufgebaut. Und hier bin ich jetzt Geschäftsführer.

2. Wie sieht dein Alltag als Geschäftsführer deines eigenen Start-ups aus?

Ich bin ein freiwilliger Early Bird – das heißt ich stehe morgens gerne früh auf, um vor der Arbeit noch Zeit zum Sport zu haben. Bewegung in meinen Büroalltag zu integrieren ist mir sehr wichtig, das hilft mir auch für eine bessere Balance auf der Arbeit. Mein Tag ist dann eigentlich sowas wie ein klassischer Gründeralltag. Ein Haufen Meetings und die Weiterentwicklung unserer Produktreihe: Derzeit arbeiten wir zum Beispiel auf Hochtouren an einem neuen Powerriegel. Dann ist es natürlich auch wichtig, dass wir uns über Unternehmensprozesse Gedanken machen: Wie können wir unsere interne Kommunikation, unsere Produktionsabläufe oder Logistik effizienter gestalten? Nachmittags halte ich immer ein Zeitfenster für die Kommunikation mit der Außenwelt offen: Das heißt ich gebe Interviews, korrigiere Zitate oder schreibe Gastbeiträge. Abends bin ich dann oft in Management-Gesprächen, wo es um Finanzen und Strategie geht: Wie sind die Zahlen? Wo wollen wir hin? Was steht die nächsten Tage an? Ich komme dann abends oft erst relativ spät raus. Trotzdem probiere ich noch Freunde zu treffen oder mich zu entspannen.

3. Wenn du deinen beruflichen Werdegang betrachtest: Was war beim Einstieg ins Berufsleben am wichtigsten?

Wenn ich für meinen Einstieg als Gründer antworte, dann waren auf meinem Weg zwei Sachen sehr wichtig: Ich habe den Drang, unbedingt selbst etwas bewegen zu wollen und mein eigenes Ding zu machen. In meinem Start-up habe ich viel Verantwortung, aber auch viel Gestaltungsspielraum: Wenn wir uns eine neue Idee für ein Produkt, das Unternehmensmagazin oder im Bereich Online Marketing ausdenken, können wir diese direkt im Team prüfen und dann umsetzen, statt stundenlang auf grünes Licht von „oben“ zu warten! Diese Freiheit und Schnelligkeit liebe ich.

Zweitens war und ist Durchhaltevermögen sehr wichtig. Denn es ist doch so: Nachdem ich eine gute Geschäftsidee hatte und mich zur Gründung entschloss, musste ich sehr viel und hart arbeiten. Aber dass ich wirklich hinter meinem Projekt stehe, hat mir oft geholfen, mit den täglichen Herausforderungen und Rückschlägen umzugehen. Sehr viel Zeit hat es zum Beispiel in Anspruch genommen, geeignete Produzenten zu finden, die unseren Qualitätsanforderungen entsprachen. Auch gibt es in Deutschland im Lebensmittelhandel sehr viele regulatorische Hürden. Man braucht einen langem Atem! Dies gilt auch für das Marketing, denn: Wie macht man eine Produktreihe, die wir „Performance Food“ nennen, bekannt, von der die Leute noch gar nicht wissen, dass es sie gibt und entsprechend nicht danach suchen? Gerade in Bezug auf die Kundenakquise und dem Markenaufbau war der Start nicht leicht.

4. Ganz ehrlich: was war das Hilfreichste, was du in der Uni für heute gelernt hast?

Im Studium habe ich vor allem gelernt, komplexe Daten zu analysieren und zu strukturieren. Hier geht es vor allem um Umsatzzahlen und KPIs – d.h. konkreten Kennzahlen an denen wir unseren Fortschritt messen können. Im Bereich Onlinemarketing geht es dann um Klick- und Besucherzahlen und die Conversion Rate – also die Frage, wie sich diese Klicks zu tatsächlichen Verkaufszahlen verhalten. In der Produktion ist es wichtig die jeweils einzelnen Schritte zu analysieren, um zum Beispiel die Produktionsprozesse zu optimieren. Das sind Qualitäten, die einem später wirklich weiterhelfen.

Egal ob Skript oder Verkaufsdaten: es ist wichtig, diese für mein Unternehmen zu strukturieren, zu analysieren und natürlich die richtigen strategischen Schritte daraus zu ziehen. Produktion verlagern oder nicht? Neue Leute einstellen oder nicht? Auf welchen Plattformen Werbung schalten und auf welchen nicht? Das analytische Denken dafür habe ich im Studium gelernt.

5. Was motiviert dich, am Ball zu bleiben? Was ist dein „Warum“, vor allem wenn es schwierig wird?

Ehrlich gesagt kommt meine Motivation von innen. Diese lässt mich immer weitermachen und treibt mich jeden Tag an: Das gesunde Wachstum meines Unternehmens, die neuen Produkte die wir entwickeln und dass wir unser Team seit der Gründung enorm vergrößern konnten – das sind tolle Erfolgserlebnisse. Weiterhin macht mir die Entwicklung von Mitarbeiter unglaublich viel Freude. Zahlreiche unserer festen Mitarbeiter sind bei uns als Praktikanten gestartet und verantworten jetzt ihre eigenen Bereiche. Dazu kommt: Der Austausch mit Menschen, die positiv denken und selbst unternehmerische Erfahrung haben. Ich finde ein starkes Netzwerk stärkt einem sehr den Rücken und motiviert, am Ball zu bleiben – das sind Freunde aus der Unizeit, Geschäftspartner aber auch neue Leute aus der Start-up Szene, die man auf Veranstaltungen kennenlernt.

Last but not least motiviert es mich auch in meinem Berufsleben, wenn ich Sport treibe: ich gehe für mein Leben gerne Kitesurfen!

6. In einer idealen Welt, in der alles so gelaufen ist, wie du es dir erträumst – wo bist du dann in 5 Jahren?

Mein Ziel ist es, gemeinsam mit meinem Co-Gründer unser Unternehmen BRAINEFFECT, zu dem führenden Unternehmen für mentale Performance Food zu machen – also für Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungssteigerung. Idealerweise können wir unsere Produktpalette beständig verbessern und erweitern.

Mir ist es auch total wichtig, in einem produktiven, fröhlichen und gesunden Arbeitsumfeld zu arbeiten, das heißt konkret: Ich möchte, dass mein Team sich freut, morgens zur Arbeit zu erscheinen und die Stimmung im Büro das auch widerspiegelt. Und natürlich möchte ich auch selbst in fünf Jahren noch jeden Tag gerne ins Büro kommen und gefördert werden, ohne überfordert zu sein.

 

7. Wenn du deinem jüngeren Ich begegnen würdest, welchen wertvollen Tipp würdest du dir geben?

Ich glaube für mich war es wichtig, dass ich rechtzeitig Verantwortung und auch das Risiko einer Gründung übernommen habe. Weil die Chemie zwischen mir und meinem Investor von vorneherein stimmte, musste ich aber auch nicht lange darüber nachdenken. Im Nachhinein hat es sich echt gelohnt. Die Erfahrungen die ich unterwegs gemacht habe und was ich alles gelernt habe ist für mich unbezahlbar. Aber Erfolg kann nur das Resultat aus harter Arbeit, sein, das weiß ich heute.

Deshalb würde ich mir sagen: sei bereit ordentlich zu ackern – aber genieße auch deine Studentenzeit…!

 

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