Melanie Vogel: „Der Druck war extrem hoch, meine Motivation aber auch“

Sie ist die Initiatorin der größten Karrieremesse für Frauen, Buchautorin und Unternehmerin. Heute hilft Melanie Vogel unter anderem Berufseinsteigerinnen, den für sie richtigen Weg einzuschlagen. Deshalb wollten wir von ihr mehr über ihren eigenen Berufseinstieg erfahren.

 

1. Frau Vogel, was genau machen Sie beruflich?

Ich bin seit 18 Jahren Unternehmerin und veranstalte seit 6 Jahren die women&work, Deutschlands größten Messe-Kongress für Frauen. Ich bin aber auch Autorin, Trainerin und Keynote-Speakerin.

2. Was denken Sie, war für Ihren Einstieg ins Berufsleben ausschlaggebend – Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Kontakte, Fleiß…?

Zunächst einmal ein ziemlicher Leidensdruck. Ich habe nach dem Abitur erst eine einjährige Ausbildung gemacht und im Anschluss daran studiert. Das Studium war nicht das, was ich mir erhofft hatte und so habe ich insgesamt drei Studiengänge ausprobiert, bevor ich mich final für das Fach Rechtswissenschaften entschließen konnte. Hier packte mich dann der Ehrgeiz und nach fünf Semestern war ich scheinfrei. Allerdings habe ich mich damals für eine strategisch falsche Richtung entschieden und wusste noch vor meinem ersten Staatsexamen, dass ich mit großer Sicherheit in die Arbeitslosigkeit oder eine schlecht bezahlte Selbständigkeit als Anwältin rutsche. Der Aufprall war ziemlich hart und ich brauchte dann eine gehörige Portion Mut, um mich – gegen alle damaligen Konventionen – zum Studienabbruch zu entscheiden. Obwohl das in dem Moment sehr schmerzhaft war, war es rückwirkend die beste Entscheidung meines Lebens, denn wer ein Studium abbricht, muss in unserer Leistungsgesellschaft doppelt und dreifach beweisen „etwas wert zu sein“ – noch dazu als Frau: Der Druck war extrem hoch, meine Motivation und mein Leistungs- und Durchhaltewille aber auch. Da ich Zeit meines Lebens selbständig sein wollte, wusste ich, was auf mich zukommt. Ich bin heute glücklich und zufrieden mit meinem Beruf, in unserem Unternehmen und mit unserem Team, das besser nicht sein könnte.

3. Was haben Sie aus dem Studium ins Berufsleben mitgenommen? Was war das Hilfreichste, was Sie währenddessen gelernt haben?

Meine ersten drei Studiengänge haben mir lebhaft und deutlich vor Augen geführt, was ich auf gar keinen Fall möchte – und was mir überhaupt nicht liegt. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Jura hat mir großen Spaß gemacht. Ich mochte das Strategische, das das Studienfach mir bot. Und dieses Know-how benötige ich heute immer noch. Ich muss in vielen Situationen strategische Entscheidungen treffen, Sachverhalte gegeneinander abwägen, Recherchieren, mir eine Meinung bilden, Themen und Thesen nach außen „verkaufen“ – also eigentlich das, was gute Anwälte auch können müssen.

Und alles, was ich darüber hinaus im Job brauche, habe ich durch Erfahrung gelernt, mir selbst beigebracht oder über Fortbildungen und Ausbildungen nachträglich erarbeitet.

4. Wie sieht Ihr Alltag aus? Wie kriegen Sie alle Ihre Projekte unter einen Hut?

Ich führe unser Unternehmen gemeinsam mit meinem Mann. Wir beide haben klare Aufgabenteilungen, was erst einmal für mich bedeutet: Ich stehe nicht alleine in der Pflicht und in der Verantwortung. Zudem haben wir ein tolles Team, das uns unterstützt und unsere Projekte mit Herz und Leidenschaft nach außen trägt. Ohne dieses Team könnten wir unsere Projekte nicht stemmen.

Meine Aufgaben liegen eher in der strategischen Übersicht, dem Erkennen von neuen Trends, Themen und dem Erarbeiten und Aufsetzen von neuen Projekten. Natürlich bin ich auch an den Umsetzungen beteiligt. Wir entscheiden, delegieren, ändern – wenn nötig – die Richtung, helfen unserem Team nach bestem Wissen und Gewissen, dass es seine Arbeit erfolgreich tun kann, suchen nach neuen Optionen und sorgen dafür, dass unser Unternehmen auch in den kommenden Jahren noch erfolgreich am Markt tätig sein kann. Mein Arbeitsalltag lässt sich daher auch kaum strukturieren. Es gibt Tage, an denen ich viel telefoniere, an manchen Tagen erarbeite ich Vorträge oder Seminare, dann wieder arbeite ich schwerpunktmäßig an unseren Webseiten, bin in unseren Sozialen Medien aktiv, Texte und gestalte Flyer oder Broschüren. Und dann habe ich auch mehr und mehr Tage, an denen ich vor Ort beim Kunden bin, Seminare oder Vorträge halte.

5. Was motiviert Sie? (Das können Menschen, Dinge, Tätigkeiten, Ideale, etc. sein)

Mich motivieren unsere Themen, mit denen wir zu tun haben – Diversity, Zukunftsfähigkeit von Menschen und Unternehmen, die Employability von Frauen zu stärken – all das sind wichtige Themen, die Deutschland in den kommenden Jahren auch noch beschäftigen werden. An diesen Zukunftsthemen mitzuarbeiten und sie in vielen Bereichen aktiv und federführend mit gestalten zu können empfinde ich als sehr großes Privileg und als eine große Verantwortung und Herausforderung. Ich habe Spaß an meinem Beruf, ich liebe, was ich mache!

6. Wenn alles genau so verläuft, wie Sie es sich vorstellen – wo sehen Sie sich dann in 5 Jahren?

In fünf Jahren ist unsere Agentur eine wichtige Gestalterin aktueller Themen. Wir veranstalten nicht nur strategisch wichtige Messe-Kongresse wie die women&work (www.womenandwork.de) oder die innovation@work (www.innovationatwork.de), sondern ich werde als Trainerin, Referentin, Keynote-Speakerin und Beraterin angefragt, weil ich als Zukunftsphilosophin Antworten auf die Frage gebe: „Industrie 4.0 und Digitalisierung – Wo bleibt der Mensch?“

7. Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich heute einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

„Take a Chill-Pill!“ – bleib entspannt! Bleib aufmerksam und wachsam, vernetze Dich frühzeitig, such Dir strategische Partner auf Augenhöhe, mache Deine Leistungen frühzeitig sichtbar und folge Deinem Herzen und Deiner Leidenschaft.

 

Vielen Dank für das tolle Interview Frau Vogel – wir freuen uns auf die Women&Work am 4.6.2016 in Bonn!

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