Und was bist du dann, nach deinem Studium?

Diese Frage habe ich so unglaublich oft gehört, als ich meinen ominösen Master in „Europastudien“ machte. Wie angenehm unkompliziert war es dagegen noch während des Bachelors, als ich der Verwandtschaft einfach sagen konnte: „Übersetzen. Ich studiere übersetzen.“ Da wusste jeder gleich, woran er ist. Die Christina, die wird Übersetzerin. Schön.

Und dann musste ich alles so verkomplizieren. Denn mit dem Tag, an dem ich beschloss, dass Übersetzen wohl doch nichts für mich ist, verwirrte ich nicht nur die Verwandtschaft, sondern sorgte auch dafür, dass sich meine Zukunftsangst ausweitete. Nämlich von der ursprünglichen Frage, ob ich als Übersetzerin denn einen Job finden würde, hin zu dem riesigen Fragezeichen: Was kann ich mit meinem Abschluss in Europastudien eigentlich alles machen? Wofür soll ich mich denn bitte bewerben, mit meinem Master of Desaster? Welche Stellenanzeigen gibt es da draußen in der Welt für Leute wie mich?

0815 Berufsbezeichnungen kann jeder

Zwei bis drei Standard-Berufsbezeichnungen kriegte ich ja noch zusammen – ich interessierte mich ja schließlich für Kommunikation. So weit, so gut. Was dennoch blieb, war diese leise Ahnung, dass das nicht alles sein kann. Dass es da draußen noch so unglaublich viele andere tolle Jobs für mich gibt, die ich aber niemals bekommen werde – schlicht und ergreifend, weil ich nichts von ihnen weiß.

2014 bin ich nur durch einen absoluten Zufall auf eine Stellenanzeige für Wissenschaftskommunikation gestoßen und hatte mich beworben. Zum Glück, sonst hätte ich den großartigen Job, den ich die letzten beiden Jahre machen durfte, verpasst. Und ganz ehrlich, wer hätte gedacht, dass ich mein Geld damit verdienen (und so viel Spaß daran haben) würde, wissenschaftliche Ergebnisse aus der Nachhaltigkeitsforschung „von kompliziert in einfach zu übersetzen“?

Mehr als nur die „Üblichen Verdächtigen“

Die Studiengänge, die wir heute so studieren, bilden in keinster Weise die Jobbezeichnungen der Arbeitswelt da draußen ab; das wissen auch die Gesichter hinter dem „WILA Arbeitsmarkt – Infodienst für Berufe in Bildung, Kultur und Sozialwesen“, den viele Geistes- und Sozialwissenschaftler abonniert haben.

„Viele tolle Stellen hat man bei der Jobsuche einfach nicht auf dem Schirm – weil die Jobbezeichnungen sehr spezifisch sind oder weil es sie vielleicht noch gar nicht so lange gibt. In großen Jobportalen gehen solche Jobs schnell unter – einfach, weil man nicht explizit danach sucht“, erklärt mir Benjamin O’Daniel vom WILA Bonn. Das kann ich nachvollziehen. Manche Berufsbilder, gibt es erst seit ein paar Jahren, und jedes Jahr kommen neue hinzu – nach denen man nicht explizit sucht, weil man sie nicht kennt.

Arbeitsmarkt-BIKU-Innenteil

Fotocredit: WILA Arbeitsmarkt

Zum Beispiel: Wenn eine Umweltschutz-Organisation einen „Online-Campaigner“ sucht, hättest du diese Bezeichnung bei einer Jobbörse eingegeben? Ich wahrscheinlich nicht, jedoch steht dahinter vielleicht ein spannender PR-Job, auf den sich auch Journalisten oder Medienwissenschaftler bewerben könnten.

Deshalb beschäftigt sich das 15-köpfige Team in Bonn damit, jede Woche bis zu 400 Stellenanzeigen zusammenzutragen. Anders als „üblichen Verdächtigen“ unter den Jobportalen durchforsten sie auch rund 30 Fachmagazine und fast 100 Regionalzeitungen und Wochenzeitungen, um beispielsweise solche Perlen wie meinen Job in der Wissenschaftskommunikation oder den „Online-Campaigner“ nicht zu übersehen.

Mein Traumjob? „Irgendwas mit“…

Hand hoch, wem es auch so geht: du hast so eine leise Ahnung, nicht mehr als eine vage Idee, in welche Richtung es bei dir beruflich hingehen könnte. Irgendwas mit Medien, irgendwas mit Sprachen, irgendwas mit Kultur, Bildung oder etwas Soziales. Aber danach… keine Ahnung. Tippst du die erstbeste Stellenbezeichnung in das erstbeste Jobportal, findest du zwar etwas, aber die Ergebnisse sind eben nur auf diese ganz spezielle Stellenbezeichnung beschränkt. Andere tolle Jobs, die ebenfalls wunderbar zu dir passen würden, werden dir nicht angezeigt. Schade eigentlich.

Fotocredit: WILA Arbeitsmarkt

Fotocredit: WILA Arbeitsmarkt

Auch daran haben die Kollegen vom WILA Arbeitsmarkt gedacht. Sie nehmen deshalb auch eine qualitative Auswertung vor und clustern die Stellenangebote, die gut zusammenpassen, nach Tätigkeitsbereichen. Zum Beispiel heißt ein Bereich „Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Verlagswesen“, ein anderer Bereich heiß „Kunst und Kultur“. In einem weiteren Bereich werden Referentenstellen zusammengefasst, zum Beispiel für Jobs in Verbänden, Stiftungen oder großen Vereinen. So kann man innerhalb eines Bereichs, aber auch zwischen den verschiedenen Bereichen hin- und herspringen und sich umschauen.

„Wir versuchen nicht nur, die Perlen unter den Stellenangeboten zu finden, sondern auch, diese in Themenbereiche zu clustern. Teilweise sitzen wir da und diskutieren: Passt dieser Job jetzt besser in diese oder besser in jene Kategorie? Wir wollen unsere Leserinnen und Leser auf neue Ideen bringen, ihnen zeigen, womit sie es auch mal versuchen könnten,“ so Benjamin.

Willst du das auch mal ausprobieren? Hier findest du weitere Informationen zu den Angeboten des WILA Arbeitsmarktes. Das Abo zum Heft ist kostenpflichtig, die ersten beiden Hefte gibt es für Neuabonnenten jedoch gratis. Auch den wöchentlichen Newsletter, in den es eine kleine Auswahl an Stellenanzeigen schafft, kannst du kostenlos abonnieren.

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit WILA Arbeitsmarkt.

2 Kommentare zu
“Und was bist du dann, nach deinem Studium?”
  • Ich habe ein ähnliches Fach studiert und kenne diese Fragen nur zu gut. WILA hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, aber das Angebot klingt sehr spannend. Daher: Vielen Dank für den Text und die Hinweise.

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