Nichtstun – Fluch oder Segen?

Ich hasse scheitern. Wirklich.

Und doch scheitere ich an einer Sache permanent: am Nichtstun.

Ich kann es einfach nicht, egal wie oft ich es versuche und egal wie sehr ich mir manchmal wünsche, einfach abzuschalten. Es endet immer damit, dass ich erst noch schnell dies und dann noch schnell das mache. Ach, jenes wollte ich auch noch erledigen. Und schwupps, ist der Tag rum und ich bin mal wieder durchgehetzt, als gäbe es kein morgen.

An wieder genauso einem Tag stieß ich auf Herr Einzels Blogparade mit der Frage: „Nichtstun – Fluch oder Segen?“ Ja da war doch was, ich wollte ja eigentlich nichts tun. Aber erst schreibe ich noch schnell diesen Post.

Nichtstun heißt bei mir im besten Fall einen Roman lesen, einen Kuchen backen, Sport machen oder ein Bild malen. Dem Regen zuzusehen, das mache ich höchstens zweimal im Jahr. Eins von diesen zwei Malen war gerade eben und dauerte etwa dreieinhalb Minuten.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch mein junges Leben. Wenn ich mal nicht 24/7 beschäftig bin, suche ich mir was. Egal ob Freiwilligenarbeit, ein Sprachkurs oder eine Reise. Alles tolle Sachen, aber eben nicht Nichts.

Allein dieser Blog ist verrückt. Ich arbeite neuerdings in meinem ersten echten Job, abseits von Praktika und Co. Es macht riesigen Spaß und vor allem ist es fantastisch, abends und am Wochenende nicht mehr lernen zu müssen. Bewerbungen schreiben ist auch erst mal Geschichte.

Soo viel Zeit zum Entspannen! Und dann weiß ich gar nicht was ich damit anfangen soll – ehe ich mich versehe, starte ich diesen Blog, und meine freien Abende und Wochenenden sind dann auch wieder gefüllt. Es scheint, als wäre ich nur zufrieden, wenn ich beschäftigt bin:

Ich tue, also bin ich.

Vielleicht ist es die Angst vor Stillstand, die Angst vor Stagnation, die mich umtreibt. Ich weiß es nicht. Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich es ja doch.

Klar gemacht haben es mir folgende Sätze aus dem noch nicht veröffentlichten Roman von Anika Landsteiner, in den wir schon jetzt einen Blick werfen dürfen:

Ich weiß, was es ist, es ist die Furcht, die Zeit könnte zu schnell an mir vorbeiziehen.“

„Und deshalb renne ich ihr im Eiltempo entgegen. Um mich nicht machtlos zu fühlen. Ich renne gegen die Zeit und am Ende gegen eine Wand.“

 

Das trifft Wunde genau und piekst dabei etwas unangenehm. Ja, deshalb fällt es mir wohl so schwer still zu sitzen und einfach dem Regen zuzusehen.

Die Antwort auf Herr Einzels Frage ist für mich klar: Nichtstun ist ein Segen, wenn man es denn kann.

Und ich weiß, dass ich es immer und immer wieder versuchen muss, bis es gelingt.

Vor allem im Berufsalltag ist es wichtig, regelmäßig wieder abzuschalten. Nur dann kann man erholt und mit aufgeladenen kreativen Tanks wieder zurückkommen und Großes bewegen. Ein Kopf, der niemals frei ist, kann irgendwann nicht mehr produktiv sein. Ganz abgesehen von dem Schaden, den man sich selbst zufügt, wenn man ständig mit 180 Sachen unterwegs ist.

Geht es dir auch so? Oder kannst du ganz einfach abschalten und Nichts tun? Falls du eine idiotensichere Methode hast, würde ich mich sehr über Tipps und Kommentare freuen!

 

Bild: Dietrich Schneider/pixelio.de

4 Kommentare zu
“Nichtstun – Fluch oder Segen?”
  • Stimmt nachdenklich, selbst beim abschalten vor dem Fernseher hat man doch heute immer noch mindestens das Handy zur Hand. Wenn ich wirklich nichts tue dann schlafe ich gerade…

  • Hallo Christina,
    vielen dank nochmal an der Teilnahme unserer Blogparade Nichtstun. Jede/r Einzelne assoziiert mit dem Thema Nichtstun unterschiedliche Ansätze. Der oder die Eine nehmen es wörtlich und tun dann gar nichts, andere wiederum sehen darin immer noch eine Tätigkeit. Sei es nun Handy, TV, Bloggen, Sport o.ä. Demnach gibt es aber auch Wesen wie Dich, für die es im Augenblick einfach nicht vorgesehen ist, Nichts zu tun. Immer weiter und weiter – solange es für Dich in Ordnung ist, solltest Du daran auch nichts ändern. Vielleicht stellt sich das Gefühl fürs Nichtstun irgendwann ganz von selbst ein und dann tust Du es einfach – nichts. Und wenn nicht, dann nicht.

    Beste Grüße
    Einzel

    • Ja, da hast du vielleicht Recht. Ich fand es auch, wie du sagst, sehr interessant zu lesen, wie unterschiedlich dieser Begriff aufgefasst wird!

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