Nur Mut: Berufseinstieg mit Kind

Als ich Anna-Sophies Texte zum ersten Mal las, dachte ich: Wow, Hut ab vor der Frau, die den Mut hatte, die klassische (akademische) Reihenfolge einfach mal umzudrehen: Studium, dann ein Kind und danach die Sache mit dem Berufseinstieg. Ich persönlich fand den Einstieg ins Berufsleben (mit all den Praktika, den Bewerbungen und Zukunftsängsten) auch so schon schwierig genug – und klage jetzt schon so manches Mal über zu wenig Zeit für all meine Hirngespinste. Aber Berufseinstieg mit Kind? So richtig, mit einem von mir abhängigen Lebewesen an meiner Seite?

Berufseinstieg mit Kind?

Viele Frauen Ende zwanzig/Anfang dreißig hüten sich davor, zu erwähnen, dass sie sich eine Familie wünschen oder gar (oh Schreck) demnächst heiraten wollen. Wie macht man das erst, wenn das Kind bereits da ist?

Für uns plaudert Anna-Sophie ein wenig aus dem Nähkästchen und erklärt, wie es mit etwas Mut, Unterstützung und natürlich der guten alten Gleitzeitregelung auch gehen kann.

1. Liebe Anna-Sophie, schön, dass du dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Sag doch mal, was machst du beruflich?

Ich versuche mich im klassischen Werdegang und habe an mein sprach-, medien- und kulturwissenschaftliches Studium ein Volontariat angeschlossen. Das ist im Bereich Kommunikation mit Schwerpunkt Online-Redaktion angesiedelt.

2. Du bist mit 25 schwanger geworden und hast danach deinen Berufseinstieg in Angriff genommen. Das ist ja eher ungewöhnlich in unserer akademisierten Welt. Wie klappt das?

Alles unter einen Hut kriege ich nur, weil mein Mann und ich so eine Art Bilderbuch-Partnerschaft führen, in der wir versuchen, alles gleichberechtigt zu tun, zu dürfen und zu müssen. Allein vom zeitlichen Aufwand her wäre es auch anders gar nicht möglich. Zwei Vollzeitjobs und ein Kind kann man nur gemeinsam stemmen – und wir schaffen das momentan nur so gut, weil wir dazu noch eine tolle und verlässliche Tagesmutter haben und dank Homeoffice und Büro in Fahrradnähe kurze Wege zur Arbeit. Sobald einer pendeln oder Überstunden machen muss, wird es richtig kompliziert. Meistens bringt mein Mann unseren Sohn morgens um 8h30 zur Tagesmutter, ich arbeite dann schon. Nachmittags zwischen 16h30 und 17h hole ich ihn dann wieder ab. Anstrengend ist so ein Alltag auf jeden Fall. Denn neben Job und Kind müssen wir noch die Stube fegen, einkaufen gehen, usw. Das nervt oft ganz schön, und für Hobbies oder Freunde bleibt nicht immer Zeit. Viel findet bei uns deswegen am Wochenende statt, da holen wir einfach alles nach, was unter der Woche auf der Strecke geblieben ist.

3. Wie lief eigentlich dein Bewerbungsgespräch? Viele junge Frauen in unserem Alter haben Sorge, Familienwünsche zuzugeben, weil das den Arbeitgeber abschrecken könnte.

Freunde, die im Personalbereich arbeiten, raten mir tatsächlich davon ab, mein Kind im Lebenslauf zu erwähnen. Als ich mich fürs Volontariat beworben habe, stand mein Sohn aber mit drin, weil ich dachte, dann seien die Verhältnisse klarer – außerdem findet ohnehin jeder, der mich googelt mein Blog „Kinder haben …und trotzdem leben!“, in dem ich über mein Leben als berufstätige Mutter schreibe. Ich wurde dann auch tatsächlich zu mehreren Gesprächen eingeladen. Mittlerweile tendiere ich eher dazu, mein Kind nicht zu erwähnen, weil ich finde, dass es für den Job keine Rolle spielen sollte, ob ich Mutter bin oder nicht. Männer werden schließlich auch nicht danach ausgesucht ob sie Kinder haben oder sich welche wünschen. In meinen Bewerbungsgesprächen war mein Kind immer Thema, allerdings kann man das als Befragte gut steuern, indem man kurz und bündig antwortet, z.B. wenn es ums Thema Kinderbetreuung geht. Ja, Betreuung vorhanden, Punkt. Gleichzeitig kam es in meinem Fall immer ganz gut an, dass ich zu meinem Kind stehe und geradeheraus sagen kann: Ich bin gerne jung Mutter – und ich bin genauso gerne berufstätig.

4. Glaubst du, dass es für dich schwerer ist, dich zu behaupten und alles zu geben, als es für andere Berufseinsteiger ohne Kind ist?

Das kommt glaube ich extrem auf die Branche an. Im Moment mache ich einen richtigen 9-to-5-Sesselpupser-Job, da falle ich gar nicht groß als Mutter auf. Ich weiß aber von anderen, dass es extrem schwierig sein kann, wenn man in einem Umfeld mit weniger kindkonformen Arbeitszeiten arbeitet. Wenn ich mir den Alltag von kinderlosen Berufsanfängern anschaue, dann denke ich aber sogar oft, dass ich es besser habe, denn ich bin im Vergleich zu anderen deutlich weniger verbissen. Ich finde nicht, dass man im Job „alles geben“ muss. Ich mache meine Arbeit sehr gut und sehr gerne und das sollte auch reichen. Als Mutter gebe auch ich natürlich „mein Bestes“ im Job, bin mir aber immer bewusst, dass Arbeit nicht alles ist. Am schönsten wäre es, wenn alle diese Philosophie teilten – denn dann muss sich gar keiner behaupten, sondern alle machen einfach ihre Arbeit gut.

5. Hast du eine „besondere“ Abmachung mit deinem Arbeitgeber, um dir den Alltag zu erleichtern?

Ohne Gleitzeit würde es tatsächlich gar nicht gehen. Ich fange an manchen Tagen schon um 7h an zu arbeiten, um was fertig zu kriegen oder um eher Feierabend machen zu können. Auch die 30 Urlaubstage sind extrem wichtig, weil Tagesmütter oder Kitas viele Schließtage haben. Wenn unser Sohn krank ist, dann teilen der Mann und ich uns auf. Dann bleibt einer ein paar Tage mit ihm Zuhause und dann der andere. Die Kinderärztin schreibt dann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. In meinem Fall ist es etwas problematisch, dass meine Chefin gegen Homeoffice ist. So habe ich von Zuhause keinen Zugriff auf Arbeitsmaterial und kann im Notfall nicht mal eben schnell was fertig machen. Es würde mich beruhigen, wenn das ginge. Für Notfälle haben wir zum Glück meine Eltern, die sich auch mal spontan freinehmen, wenn nichts mehr geht.

6. Wo siehst du dich in 5 Jahren?

Das ist gerade eine schwierige Frage, weil ich mir derzeit viele Gedanken um meine berufliche Zukunft mache und nicht so richtig weiß, wohin. Selbstständig zu arbeiten klingt gerade sehr verlockend, vor allem weil ich dann zeitlich flexibler wäre. Feste Arbeitszeiten sind eigentlich gar nichts für mich und meine Erfahrung ist auch, dass ich projektgebunden wirklich schnell und gründlich arbeiten kann. Täglich acht Stunden abreißen zu müssen, wirkt auf mich dagegen eher motivationshemmend (vor allem in der Kombination, dass ich in wenig produktiven Phasen dann oft denke: Die Zeit könntest du jetzt besser mit deinem Kind verbringen). Vielleicht führt mich mein Weg also in die Selbstständigkeit, oder zumindest zu einem Arbeitgeber, bei dem ich vielseitiger, flexibler und freier arbeiten kann.

7. Würdest du alles noch einmal genauso machen? Welche Tipps hast du für junge Frauen, die in einer ähnlichen Situation stecken wie du?

Der wichtigste Rat ist: Seid mutig und verkauft euch nicht unter Wert! Ich selbst war zu ängstlich und ungeduldig und habe einen der ersten Jobs angenommen, der mir angeboten wurde.

Ich hatte damals Angst, dass mir keiner eine Stelle anbietet und habe mich deswegen für ein Volontariat in einem als familienfreundlich geltenden Betrieb entschieden. Dass ich dafür eigentlich bereits überqualifiziert bin, habe ich dann schnell gemerkt. Auch wenn die Gefahr besteht, dass man sich im Nachhinein über eine vertane Möglichkeit ärgert, würde ich mittlerweile eher länger und ausdauernder suchen, auch wenn einer der ersten Jobs vielleicht zuerst ganz gut klingt.

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