„Vom Schreiben zu leben, war schon immer mein Traum“

Schreiben kann jeder. Gut schreiben, das ist schon ein bisschen schwieriger. Doch vom Schreiben auch leben zu können – das erfordert Talent, harte Arbeit, Strategie und Durchhaltevermögen. Jessika Fichtel brachte all das mit, als sie sich frisch nach dem Studium entschloss, den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen.

Was macht eine freiberufliche Autorin den ganzen Tag? Wie „wird“ man das, und vor allem, wie bleibt man es auch erfolgreich? Über ihren Berufseinstieg und ihren Arbeitsalltag habe ich die erfolgreiche Autorin und Bloggerin mal ein bisschen näher ausgefragt.

1. Liebe Jessika, was machst du eigentlich beruflich? Wie kann man sich das Arbeiten als Autorin vorstellen?

Ich habe mich vor einem Jahr selbstständig gemacht und arbeite seitdem hauptberuflich als Autorin und Bloggerin für mehrere Auftraggeber aus den verschiedensten Branchen – von Gesundheit über green und digital Lifestyle bis hin zu Karriere und Entrepreneurship. Ich habe mir damit meinen Traum erfüllt, vom Schreiben leben zu können und bin extrem dankbar dafür. Nun bin ich für verschiedene Agenturen und Unternehmen tätig, für die ich Corporate Blogs betreue, Interviews führe und Ratgebertexte schreibe. Ich habe sogar schon meine ersten eBooks (als Ghostwriterin) geschrieben und sitze aktuell an meinem eigenen Erstlingswerk. Wie die Zusammenarbeit mit meinen Kunden genau aussieht, ist sehr unterschiedlich. Die meisten lassen mir viele Freiräume, sodass ich mich immer auch persönlich in die Blogs einbringen kann.

2. Was hat dir beim Berufseinstieg als Texterin am meisten geholfen?

Da ich direkt nach dem Studium in die Selbstständigkeit gegangen bin, war eine Extraportion Mut die geheime Erfolgszutat. Ich habe früher immer gesagt, dass ich mich niemals selbstständig machen würde – viel zu stressig, viel zu verantwortungsvoll und so weiter. Aber wie sagt man so schön? Es kommt immer anders als man denkt. Der Grund für meine „plötzliche Selbstständigkeit“ war der wenig ertragreiche Arbeitsmarkt in Erfurt und Thüringen. Ungeschönt könnte man auch einfach sagen, dass ich keinen Job gefunden habe. Getreu dem Motto „Wenn dir das Leben eine Zitrone reicht, mach Limonade daraus“ habe ich dann einfach umgesattelt und das Abenteuer Freiberuflichkeit gewagt. Außerdem hat mir die Unterstützung aus meinem privaten Umfeld sehr dabei geholfen, an meiner Entscheidung festzuhalten.

Mein erster Kunde war (und ist) mein Arbeitgeber aus Studentenzeiten, für den ich nun als Freie tätig bin. Doch ein Auftraggeber allein reicht natürlich nicht. Also habe ich mich auf die Suche nach weiteren gemacht und bin auf diversen Texter-Plattformen fündig geworden. Mittlerweile bin ich stolz darauf und auch dankbar dafür, dass sich Kunden mehr und mehr direkt bei mir melden. Das zeugt von der Wertschätzung meiner Arbeit und der Beachtung meiner Person. Bei der Zusammenarbeit ist mir Kommunikation besonders wichtig. Ich erfrage regelmäßig Feedback und bin offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge. Ich finde es schön, dass man sich in dieser Branche oft von Anfang an duzt. Das macht es mir irgendwie noch leichter, eine gute Beziehung zu meinen Kunden aufzubauen.

3. Was hast du aus deinem Studium ins Berufsleben mitgenommen? Was war das Hilfreichste, was du währenddessen gelernt hast?

Dazu fällt mir eine Anekdote ein: Im Rahmen meines Journalismus-Studiums hatte ich einen Kurs in Grafik-Design. Dort sollten wir ein Monogramm für unseren Namen entwerfen und damit eine Visitenkarte gestalten. Als ich das damals machte, konnte ich nicht im Entferntesten ahnen, dass dieses Monogramm mal die Grundlage für mein späteres Firmen-Logo sein würde.

Ganz allgemein hat mich mein Studium gelehrt, organisiert und strukturiert zu arbeiten. Beides ist sehr wichtig, wenn man selbstständig ist und im Home Office arbeitet. Witzigerweise habe ich im Hinblick auf das Schreiben nicht sonderlich viel gelernt. Das liegt mir einfach von Natur aus (lacht) So richtig im Gedächtnis geblieben ist mir allerdings diese Aussage: Mit jedem Absatz gehen dir Leser verloren, wähle sie daher mit Bedacht.

4. Wie sieht dein Alltag aus? Welche Aufgaben muss man – neben dem Schreiben – als selbstständige Autorin noch so bewältigen?

Ich arbeite im Homeoffice, habe mir für den Sommer aber vorgenommen, auch öfter an anderen Orten – in Cafés, im Park usw. – zu schreiben. Mein Alltag ist ziemlich selbstbestimmt. Ich liebe die Freiheiten, die mir mein Job bietet. Das Fehlen von aufdiktierten Aufgaben durch einen Chef wirkt sich sehr positiv auf den kreativen Entstehungsprozess meiner Texte aus. So kommt es auch, dass ich Beruf und Privatleben (momentan) sehr gut in Einklang bringen kann. Eine realistische Selbstorganisation ist hier das A und O.

Als Autorin und Bloggerin schreibe ich ja nicht nur den lieben langen Tag. Ich halte Rücksprachen mit meinen Kunden, recherchiere spannende Themen, fülle die Radaktionspläne der Blogs, die ich betreue, schreibe interessante Leute an, bereite die Interviews mit diesen vor und netzwerke aktiv. Außerdem geht ein nicht unerheblicher Teil meiner Zeit dafür drauf, mich selbst zu „vermarkten“ – beispielsweise über soziale Medien oder durch Interviews wie dieses hier 🙂 Das hilft mir, bekannter zu werden und mich als Expertin zu positionieren.

5. Was sind Dinge, die du gar nicht gerne tust, die aber dennoch getan werden müssen? Was motiviert dich dabei, trotzdem am Ball zu bleiben?

Ich denke, dass ich nicht nur für mich spreche, wenn ich sage, dass Buchhaltung echt ätzend ist. Trotzdem muss sie unbedingt gemacht werden und ich bin auch sehr hinterher, da den Überblick nicht zu verlieren. Ansonsten gibt es nichts, was ich nicht an meinem Job mag – ein unschlagbarer Vorteil der Selbstständigkeit!

Ich habe es weiter oben bereits gesagt: Vom Schreiben leben zu können, ist seit gut zehn Jahren mein absoluter Traum. Dass er nun wahr geworden ist, motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Manchmal kann ich mein Glück gar nicht fassen und rechne damit, aufzuwachen.

6. In einer idealen Welt, in der alles so gelaufen ist, wie du es dir erträumst – wo bist du dann in 5 Jahren?

In fünf Jahren wohne ich mit meinem Ehemann und unserem ersten Kind in einem tollen Haus auf dem Land. Irgendwie ist es mir gelungen, Familienleben und Freiberuflichkeit perfekt unter einen Hut zu bekommen. (lacht) Ich bin liebende Ehefrau und Mutter und gleichzeitig erfolgreiche Autorin und Bloggerin.

Mit dem Wissen, das du heute über deinen Weg hast: Welchen Tipp würdest du deinem jüngeren Ich geben?

Mach dich locker und sei bereit, für deinen Traum auch andere Wege einzuschlagen.

 

Danke, Jessika, für das spannende Interview!

7 Kommentare zu
“„Vom Schreiben zu leben, war schon immer mein Traum“”
  • Hallo Christina, hallo Jessika, ein interessantes Interview!

    Wenn man direkt nach dem Studium in die Selbständigkeit geht, hat sicher auch den Vorteil, noch nicht von Betriebsstrukturen beeinflusst zu sein oder eine feste Anstellung kündigen zu müssen- das ist zwar ein Luxusproblem, allerdings kann es auch hindern, den Sprung ins Selbständigenwasser zu wagen.

    Alles Gute weiterhin und viele Grüße
    Aylin

    • Ja das stimmt! Ein weiterer Vorteil ist, dass man noch den Lebensstil eines Studenten gewohnt ist, und man nicht den harten Cut des plötzlich fehlenden Gehaltes hinnehmen muss 🙂
      Liebe Grüße, Christina

    • Hallo Aylin, danke für deinen Kommentar, es freut mich, wenn dir das Interview gefallen hat.

      Ich habe vorher zu Studiumszeiten schon mehr oder weniger fest in einem Unternehmen gearbeitet und kenne die Strukturen daher ein Stück weit – aber natürlich nicht so, als wenn ich richtig fest angestellt gewesen wäre.
      Mir ging ganz oft der Gedanke durch den Kopf: „Fehlt dann nicht irgendwas in deinem Leben(-slauf), wenn du dich direkt selbstständig machst und nicht erstmal fest angestellt arbeitest?“ Inzwischen kenne ich die Antwort: Nein, denn den „einen richtigen“ Weg gibt es (im Berufsleben) nicht 🙂

      Dir auch alles Gute,
      Liebe Grüße aus Erfurt
      Jessika

  • Hey
    danke für diesen Einblick in das Leben eines „echten“ Bloggers respektive einer Bloggerin 😉

    Nur eine Sache kam mir auf den ersten Blick spannisch vor…“Mit jedem Absatz gehen dir Leser verloren, wähle sie daher mit Bedacht.“

    Wie kann ich das verstehen? Ich dachte immer, dass gerade bei Internettexten Absätze essentiell sind, damit die LeserInnen nicht abschalten bzw. sich nach einem langen Arbeitstag nicht kognitiv überfordert fühlen. Das allgemeine Credo lautet doch auch 2-3 „h2’s“ einzubauen, somit Struktur zu schaffen und natürlich auch innerhalb der Zwischentexte mal den einen oder anderen Absatz einzuwerfen.

    Vielleicht zielt Deine Aussage auch darauf ab, dass man vor alle zum Beginn neuer Absätze oftmals wiederholende Phrasen raushaut, die den Leser langweilen. Daher die bedachte Wortwahl – könnte man ja auch so sehen oder? 🙂

    Wie auch immer,
    beste Grüße,
    Sören

    • Hallo Sören, danke für dein Feedback! Ich habe die Aussage so verstanden, dass viele Leser zwar den Anfang lesen, aber im Laufe der ersten paar Absätze die Motivation verlieren und dann entscheiden, ob sie weiterlesen möchten oder nicht. Ich merke das zumindest bei mir, wenn ich Artikel „scanne“ – oben bin ich noch dabei, aber bis zum Schluss bleibe ich nur, wenn ich ganz viel Zeit habe (was eher nicht soo oft vorkommt) oder wenn ich den Text sehr sehr gut finde 🙂

    • Hey Sören,

      Diese Weisheit wurde mit in einem „Good Writing“-Seminar mit auf den Weg gegeben. Sie bezog sich vorrangig auf den Printjournalismus, ich denke aber auch im Online-Bereich immer wieder daran. Absätze sind natürlich unglaublich wichtig, um einem Text Struktur zuverleihen und mit den Überschriften hast du auch absolut recht. Es darf aber eben auch nicht zu viel im Text passieren. Ich vergleiche das gern mit einem unruhigen Meer mit sehr viel Wellengang. Der Leser fühlt sich unwohl und entferne sich lieber/steigt aus.

      Es freut mich, dass dir das Interview gefallen hat 🙂

      Viele liebe Grüße aus Erfurt,
      Jessika

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