Die Achterbahn des Berufseinstiegs #Jobgeflüster


Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude doppelte. Doch weil wir seit Christinas Umzug nach Brüssel nun eine Blogfernbeziehung führen, können wir uns nicht mehr regelmäßig bei einem Cocktail über die Freuden und Leiden des Berufseinstiegs unterhalten. Deshalb haben wir unseren Jobplausch nun einfach kurzerhand in unser virtuelles Zuhause verlegt.

In unserer neuen Serie “Jobgeflüster” plaudern wir über unseren Berufsalltag, spannende Erfahrungen und neue Herausforderungen. Schnappt euch einen Drink (oder zumindest eine schöne Tasse Tee) und los gehts!

Christina schreibt:

Liebe Jana,

ich weiß noch, wie ich die Anfänge deiner Selbstständigkeit mitbekam. Wie wir zahllose Sushi-Röllchen mit zahllosen Cocktails runterspülten und über die vielen Höhen und Tiefen sprachen, die so ein Neuanfang mit sich bringt.

In langen Nächten schwärmten wir davon, wie schön es ist, zu lieben was man tut, und sprachen darüber wie aufregend, aber auch angsteinflößend so ein Sprung ins kalte Wasser doch sein kann. Darüber, dass man zwischen euphorischen Hochs und lähmenden Tiefs hin und her geworfen wird, und einfach kein Tag wie der andere ist. Und dass man – den gelegentlichen Schweißausbrüchen zum Trotz – keine Sekunde davon hergeben würde. Keine einzige, für nichts in der Welt.

So geht es mir gerade. Seit zwei Monaten bin ich nun schon in Brüssel. Während es sich manchmal so anfühlt, wie eine Ewigkeit, ist diese Zeit so schnell vorbei gerauscht wie ein eiliger Atemzug. Der neue Job ist spannend, hektisch und unglaublich herausfordernd. Ganz genauso wie ich es haben wollte. Und doch können weder mein Kopf noch mein Bauch oder mein Herz sich einfach nicht entscheiden, was sie eigentlich von all dem halten sollen.

In einem Moment platze ich vor Glück und Stolz, weil ich meinen neuen Job liebe und mich jeden Tag auf die Arbeit freue. Weil ich die ersten Bröckchen Verantwortung übernehme und weil ich die Dinge aktiv mitgestalten kann. Weil da bin, wo ich immer sein wollte. In diesen Momenten kann ich mein Glück kaum fassen.

Und im nächsten verpufft die Euphorie, weil die Selbstzweifel lauter werden, als all das andere. Weil ich angesichts der Herausforderung Angst bekomme und denke: was hast du dir bloß dabei gedacht, dir das alles zuzutrauen? Wieso dachtest du, du könntest das? Was hat dir das Gefühl gegeben, dass du das schaffen würdest? Ausgerechnet du?

In einem Moment bin ich so glücklich über all die inspirierenden Menschen, denen ich nun tagtäglich begegne; über die neuen Freundschaften, in die ich eintauche und die neuen Netzwerke, die ich erschließe. Ich freue mich über die warmen Sonnenstrahlen in meinem Gesicht und über die vielen Eindrücke, die ich in mir aufsauge wie ein Schwamm. Ich liebe meine schöne Wohnung, in die ich vor kurzem endlich eingezogen bin, und sprühe über vor Vorfreude – denn diese Wohnung kann ich nun nach und nach mit neuen Möbeln und neuen Erinnerungen füllen. Dann freue ich mich über die weißen Wände, die jetzt nur darauf warten, mit Neuem bemalt und behangen zu werden.

Und im nächsten Moment wirken ebenjene weißen Wände plötzlich kahl und leer und einsam. Dann denke ich ganz traurig und sehnsüchtig an all die Freunde, die tollen Kollegen und vor allem meine Familie, die ich zu Hause hinter mir gelassen habe. Es braucht halt eben doch etwas mehr, als eine funktionierende WLAN-Verbindung, um einen Ort wirklich “zu Hause” nennen zu können. Vor allem dauert es länger – das weiß ich nach meinen vielen Umzügen mittlerweile aus Erfahrung. Ebenso weiß ich aber auch, dass es kommen wird.

Und das einzige, was immer bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich alleine für mein Glück verantwortlich bin. Ich alleine entscheide, ob ich mich vor Angst vor den großen Herausforderungen verkrieche, oder ob ich losgehe und diese leeren weißen Wände mit den buntesten und schönsten Farben fülle, die die Welt je gesehen hat.

Emoji edition

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Jana schreibt:

Oh ja, an die anfängliche Achterbahnfahrt erinnere ich mich noch gut. Und irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass die rasante Fahrt irgendwie langsamer geworden ist. Ich habe nur das Gefühl, mich langsam an das Tempo zu gewöhnen.

Das ist ein bisschen so, wie damals nach der Führerscheinprüfung. Als ich danach das erste Mal die 180 km/h auf der Autobahn geknackt hatte, kam ich mir vor als würde ich nur so mit Lichtgeschwindigkeit dahingleiten. Dabei war ich so angespannt, dass ich es kaum aushalten konnte, und nach der Fahrt erst einmal tief durchatmen musste. Mit ein wenig Routine kommen einem die 180 Stundenkilometer dann gar nicht mehr sooo schnell vor. Man hat sich einfach dran gewöhnt. Sich auf die neue Situation und die neuen Anforderungen eingestellt.

Und irgendwie ist es doch im Berufseinstieg genauso – sei es als Angestellte/r oder als Selbstständige/r. Was einem am Anfang noch Schweißperlen auf der Stirn bereitet hat, wird irgendwann zur Routine. Man lernt, sich Routinen anzueignen, organisierter zu arbeiten und mit Druck besser umzugehen.

Der Vorteil jedoch in der Selbstständigkeit liegt auf der Hand: je mehr Stress man hat, je mehr Projekte, je mehr Schweißperlen, desto mehr Einnahmen kann man am Ende des Monats auf dem Konto verzeichnen. Und das macht mich gerade verdammt glücklich. Versteh mich nicht falsch: Geld ist nicht alles, aber manchmal ist es eben doch genau der Funken an Sicherheit und Bestätigung, den man nach den Anfangsmonaten und so manchen Gedanken der Zweifel so dringend gebraucht hat.

Die Zweifel kommen trotzdem noch ab und an zu Besuch. Wenn ich mal wieder bis in die Nacht an meiner Steuer sitze und ich mich frage, ob es nicht auch ein bisschen einfacher geht. Oder wo mich dieser Weg am Ende bloß hinführen wird. Oder wenn ich mal wieder vor einem leeren Blatt Papier (beziehungsweise Dokument) sitze und die Worte einfach nicht aus mir rauskommen wollen. (Meistens als Folge ein paar überarbeiteter Nächte). Aber dann nehme ich mir einen Tag Auszeit (die andere wohl Wochenende nennen), und schon sind die Zweifel verflogen und ich bin produktiv wie nie.

Ich glaube einfach, dass wir diese Achterbahn zu unserem besten Freund machen müssen. Sie gehört zu unserem Leben wie der Kaffee am Morgen. Wir müssen nur eben lernen uns auf die Loopings und Steilstücke vorzubereiten. Und irgendwie wäre es doch auch stinklangweilig, wenn es in der Jobachterbahn immer nur geradeaus gehen würde oder?

 

 

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