„Ich möchte andere inspirieren und bestärken“

Ariane Vera ist, was man gemeinhin als Multi-Talent beschreibt. Mit ihrer Arbeit als Sängerin und Autorin und Sängerin engagiert sie sich für Gleichberechtigung, Toleranz und Nachhaltigkeit.

Wir haben mit ihr über ihren Berufseinstieg gesprochen.

1. Liebe Ariane, was hast du studiert und was machst du heute beruflich? Wo möchtest du hin?

Ich habe Internationale Beziehungen und Englische Literatur an der University of Aberdeen in Schottland studiert und war für mein Erasmus Semester am Trinity College in Dublin. Da habe ich schon während des Studiums nebenbei für das Social Start-Up ProjectTogether geschrieben, und später dann auch als freie Journalistin und Autorin. Es war mir wichtig, so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Auch über das Schreiben hinaus, weswegen ich hier dann an PR-Kampagnen, Social Media Marketing Projekten und ähnlichen Projekten mitgewirkt habe.

„You use your words as a weapon“, sagt Birdy in einer Single, und damit trifft sie ins Schwarze, um in der gleichen Bildsprache zu bleiben. Ich möchte im Berufsfeld der Kommunikation bleiben, gerade weil man hier nie auslernt und es immer Platz für Veränderung und Weiterentwicklung geben wird. Das fasziniert mich.

2. Wie sieht dein Alltag heute aus?

Sehr unterschiedlich – daher versuche ich, dennoch etwas an Routine zu behalten. In den letzten vier Jahren habe ich in drei unterschiedlichen Ländern gelebt, und bin als Deutsch-Argentinierin ohnehin an zwei Orten zuhause. Um etwas Stabilität zu schaffen, habe ich ein paar Dinge für mich etabliert.

Konkret bedeutet das: Früh aufstehen. Ich nutze die Zeit gern vor der allgemeinen E-Mail Flut, um konzentriert zu schreiben. Sport gehört für mich ebenfalls dazu. Ein weiterer Teil der täglichen Routine ist Kaffee – mein Favorit ist derzeit eine Sorte aus Chiapas in Mexiko. In dieser Region haben nicht nur die Natur, sondern auch die Einwohner, unter dem NAFTA-Abkommen gelitten haben. Der Kaffee ist fair gehandelt, und der Erlös geht an Projekte, welche die Farmer vor Ort unterstützen.

3. Was ist deiner Meinung nach beim Einstieg ins Berufsleben besonders wichtig?

Auf jeden Fall Zeit.

Zeit zum Planen, Zeit zum Reflektieren, und auch Zeit, um sich auf die neue Phase einzustellen und daran zu gewöhnen. Oft kommt die Reflektion erst nach dem gewagten Sprung. Um nicht unnötig abzustürzen, kann es manchmal ganz sinnvoll sein, erst die Lage zu erkunden, bevor man abspringt.

Für mich war klar, dass Musik für die Zeit nach dem Studium einen größeren Platz beanspruchen würde. Und das tat sie auch – eine Woche nach offiziellem Studienabschluss fand der Welcome To Europe Songcontest statt, darauf folgte die Veröffentlichung meiner ersten Single, es standen einige Interviews an, und auch neue Projekte für meine Artikel.

Ich habe versucht, mir so gut es geht etwas Zeit zu lassen. Das einzige, wofür ich mir definitiv mehr hätte Zeit nehmen sollen, war das Auspacken der Umzugskisten…

4. Was war das Hilfreichste, was du in Schule und Studium gelernt hast und heute anwendest?

In Anknüpfung an den vorherigen Punkt: Zeitmanagement. Oft habe ich von bereits im Berufsleben stehenden Freunden und Bekannten gehört: Dir wird die Flexibilität des Studiums fehlen. Ich finde, eben diese Flexibilität ist die eigentliche Herausforderung eines Vollzeitstudiums. Mit dem Studium ist es wie mit einem Zwilling – es kommt selten allein. Studium ist eine Multi-Tasking Zeit zwischen Deadlines, Nebentätigkeiten und anderen Aktivitäten.

Gerade die Möglichkeit, den Laptop überall mit hin zu nehmen, macht es manchmal schwer, ihn auch einmal stehen zu lassen. Sich die Fähigkeit anzueignen, die eigene Zeit zu managen, ist also keine Option, sondern kommt, in diesem Fall, tatsächlich von ganz allein.

5. Was ist deine Hauptmotivation, wenn es um deine berufliche Zukunft geht?

Eine große Frage. Nun, zunächst einmal sehe ich das Schreiben als eine Möglichkeit, mir selbst und anderen Zugang zu Information zu verschaffen. Ich habe viel gelernt, allein durch die Fragen, die ich in zahlreichen Interviews stellen durfte. Mich motiviert es, dass diese Erfahrungen durch meine Artikel nicht nur mich, sondern auch viele andere bestärken und inspirieren können. Ich möchte Menschen erreichen und ermutigen.

Hier kommen vor allem auch meine persönlichen Überzeugungen ins Spiel, denn besonders gerne schreibe ich über Female Empowerment. Diese werden meiner Meinung nach im Berufsleben noch oft benachteiligt. Deshalb rücke ich dieses Thema ins Licht und mache die unsichtbaren Clichés etwas sichtbarer. Nur so können wir anfangen, sie zu hinterfragen und abzuschaffen.

6. In einer idealen Welt, wo siehst du dich dann in 5 Jahren?

Hoffentlich noch einmal hier bei Chapter One Mag – dann aber mit einer upgedateten Version… 😉 Aber Spaß beiseite, ich möchte diese Frage nicht auf mich selbst und meine Karriere, sondern auf die Welt als Ganzes beziehen:

Es gibt in meiner zweiten Heimat Argentinien etwas, das ich die Kioskkultur nenne. Während ich in Deutschland eher in einen Laden hineingehe, wenn ich tatsächlich einmal eine Print Zeitung hole, stehe ich in Argentinien länger vor einem Kiosk, unterhalte mich mit den Zeitungsverkäufern, und stöbere durch Headlines und Titelblattgeschichten.

In fünf Jahren kann ich hoffentlich Headlines und Titelblattgeschichten lesen, die von Fortschritten in den globalen Klimaverhandlungen berichten. Noch besser, ich sehe umweltbewusstes Handeln in meinem direkten Umfeld. Supermärkte verkaufen mehr Glas und weniger Plastik, fair gehandelte Produkte gehören zum Alltag, weniger Pappbecher belagern die Einkaufsstraßen. Klimaschutz ist eine Top-Down und Bottom-Up Bewegung. Women Empowerment übrigens auch.

7. Wenn du deinem jüngeren Ich begegnen würdest, welchen wertvollen Tipp würdest du dir geben?

Schon heute würde ich mir einen Tipp geben wollen, was ich gestern besser hätte machen können. Oder, am Ende des Tages gibt es Dinge, die ich gerne schon zu Beginn des Tages gewusst hätte.

Ich habe erst relativ spät das Kaffeetrinken für mich entdeckt. Vielleicht wäre das ein Tipp, auf den ich schon früher hätte kommen können.

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